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Knarren und Quietschen bei Holztreppen

Konstruktive und montagetechnische Fehler als Ursache

Es kommt immer wieder vor: eine Holztreppe ist eingebaut und nach kurzer Zeit bemängelt der Kunde „Knarrgeräusche“. Wann ist dies eine Mangel und wo liegen ggf. die Ursachen. Im Folgenden werden die wesentlichen Aspekte dargestellt.


 

Wann sind Knarrgeräusche ein Mangel?

In der Regel wird zu Beantwortung dieser Frage die VOB C, DIN 18334 „Zimmererarbeiten“ herangezogen. Holztreppen sind in diesem VOB-Teil geregelt.

Demnach sind gelegentliche Knarrgeräusche erlaubt, die z. B. durch die klimatisch bedingten Dimensionsänderungen des Holzes verursacht werden.
Mit dieser Regelung sind hingegen Geräusche ausgeschlossen, die regelmäßig und kontinuierlich auftreten.

 

Ursachen für Knarrgeräusche

Knarrgeräusche entstehen vorrangig dann, wenn sich beim Begehen der Treppe „etwas bewegt“. Umgekehrt ist eine „steife“, gut befestigte Treppe seltener von Knarrgeräuschen betroffen.

 

Steifigkeit von Treppen – Einflüsse

Die Steifigkeit einer Treppe hängt von zahlreichen Faktoren ab. Hier werden wesentlichen Faktoren (nicht abschließend) aufgeführt:

 

  1. Materialquerschnitte
    Die Stufenstärke und die Dicke/Höhe der Wange haben unmittelbar Einfluss auf die Steifigkeit. Bei Einhaltung der Vorgaben z. B. des Regelwerkes „Handwerkliche Holztreppen“ ist die Gefahr des Knarrens minimiert. Treppen mit Zulassungen geben die Materialquerschnitte ebenfalls vor.
  2. Befestigung der Treppe im Bauwerk
    Treppen müssen „sauber“ befestigt werden. Lasten müssen sicher in das Bauwerk abgeleitet werden.
    Treppen sind am Antritt und am Austritt auf der Decke (Rohbeton, Rohbalken, nicht nur auf dem Estrich aufliegend) zu befestigen.
    Wangen müssen an den Wänden Auflager besitzen. Ggf. sind zusätzliche Befestigungen erforderlich. Die Lichtwange ist „eingespannt“, damit die Absenkung beim Begehen möglichst gering ist. Sowohl im Regelwerk „Handwerkliche Holztreppen“ als auch in den technischen Unterlagen von Zulassungstreppen sind die Befestigungen klar dokumentiert.
  3. Verbindungsmittel
    Schrauben, Dübel und weitere Verbindungen sind ausreichend stabil zu wählen. Auch die Anzahl muss den Anforderungen gewachsen sein. Bei handwerklichen Treppen sind Treppenschrauben üblich und bewährt. Bei Zulassungstreppen dürfen nur Verbindungsmittel verwendet werden, die im Rahmen der Zulassung geprüft wurden. Die Verbindungsmittel stammen i. d. R. aus einer überwachten Fertigung.
  4. Oberfläche
    Es ist bekannt, dass Wasserlacke Knarr- oder Knartzgeräusche fördern. Bei „Reibung“ von zwei mit Wasserlack lackierten Flächen/Kanten (z. B. eingestemmte Stufe) entstehen nicht selten Geräusche – insbesondere, wenn die Steifheit der Treppe nicht gegeben ist.
  5. Grundriss
    Je nach Grundriss ändert sich die Neigung zum Knarren. So ist z. B. eine halbgewendelte Treppe anfälliger als eine geradläufige. Nicht alle Grundrisse sind im Rahmen von Zulassungen nachgewiesen und dürfen dann auch nicht hergestellt werden. Die handwerklichen Treppen gemäß Regelwerk decken eine große Bandbreite an Grundrissen ab.


Praxisbeispiel

Es wurde eine Treppe in klassischer Bauart gefertigt (halbgewendelt, eingestemmt, ohne Setzstufe, mit Krümmling). Nach dem Einbau monierte der Kunden regelmäßiges „Knarren“. Dies zeigte sich darin, dass beim ersten Begehen der Treppe starke Geräusche entstanden und dann zunächst keine weiteren Knarrgeräusche zu hören waren. Wenn die Treppe einige Zeit nicht benutzt wurde, entstanden die Knarrgeräusche wieder.

 

Die  Symptomatik erklärt sich darin, dass sich die Treppe durch das Begehen „senkt“ und sich nach gewisser Zeit teilweise wieder in die Ausgangslage zurückbewegt.

Diese Probleme traten erstmals bei dem Treppenbauer auf, der derartige Treppen schon oft hergestellt hat. Die Probleme führt der Treppenbauer auf den ebenfalls erstmals verwendeten Wasserlack zurück.

 

Bei der Begutachtung der Treppe wurde folgendes beobachtet:

  1. Die Stufendicke entspricht nicht dem Regelwerk handwerkliche Holztreppen
    (= geringere Steifigkeit).
  2. Die Wangendicke entspricht dem Regelwerk.
  3. Die Ausführung des Krümmlings entsprach nicht dem Regelwerk.
  4. Die Treppe war oben befestigt, unten nicht. Unten stand sie nur auf dem fertigen Fliesenboden auf. Folge: beim Begehen „schiebt“ die Treppe, sie ist nicht eingespannt.
  5. Die Wangen lagen nur an einer Ecke auf. Folge: eine Ecke der Wange war bereits um mehr als 1 cm abgesunken.
  6. Die Wange war ansonsten nicht befestigt. Folge: geringere Steifheit der Gesamtkonstruktion. Untere Wandwange „bewegt“ sich nach oben, wenn die Treppe an der Lichtwangenseite begangen wird.

  7. Die Treppe wurde mit Wasserlack beschichtet.

 

Im Vorfeld wurden die eingestemmten Stufen an der Verbindung zur Wange mit Silikonspray behandelt. Die Knarrgeäusche verschwanden nahezu – kamen aber wieder, nachdem die Wirkung des Sprays nachließ. Damit war klar, dass die Geräusche ursächlich aus der Verbindung Wange/Stufe  hervorgerufen werden.

 

Im Rahmen der Begutachtung der Treppenanlage wurde experimentell die Steifigkeit der Treppe erhöht.

 

Folgende Maßnahmen wurden ergriffen:

  1. Die abgesenkte Wange wurde angehoben, wieder „auf Position“ gebracht und abgestützt.
  2. Das Treppenauge wurde ebenfalls abgestützt.
  3. Die Wand- und Lichtwange wurden verspannt, damit diese nicht mehr „schieben“ können.

 

 

Nach den durchgeführten Maßnahmen war die Treppenanlage „steifer“. Die Knarrgeräusche waren trotz Wasserlack stark reduziert. Die Steifigkeit der Stufen wurde nicht nachgebessert (Dicke 42 mm). Mit der korrekten Materialstärke der Stufen wären die Geräusche vermutlich vollständig verschwunden.

Der Treppenbauer besserte die Treppe im Rahmen der Möglichkeiten nach. Inwiefern der Kunde mit dem Ergebnis zufrieden war, war nicht Bestandteil der Begutachtung.

 

 

Resümee:

Treppen sind dreidimensionale Tragwerke und funktionieren problemlos, wenn die Konstruktion und die Befestigung stimmen.
Tatsächlich existieren aber zahlreiche Treppen, bei denen das nicht der Fall ist.

Mängelrügen durch den Kunden sind trotzdem nicht zwangsläufig der Fall, da viele Treppen „funktionieren“ oder Kunden die Symptome als gegeben annehmen.

Die korrekte Konstruktion und eine regelkonforme Befestigung steigern die Gesamtqualität und sind unerlässlich. Dies gilt sowohl für die handwerklichen Treppen als auch für alle sonstigen Bauarten.

 

Wolfgang Heer www.tsh-system.de

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